Der Begriff Faszien begegnet uns derzeit überall – vielerorts wird Faszientraining angeboten oder in den Medien über neue Erkenntnisse der Faszienforschung berichtet. Was ist so faszinierend an Faszien? Und was ist eine Faszie überhaupt? Was bedeutet Faszientraining? Hilft Faszientraining gegen Rückenschmerzen? Und: Ist es wirklich eine Bereicherung für unser Training oder nur ein Hype?

Ich integriere bereits seit vielen Jahren Faszientraining in die Arbeit mit meinen Klienten beim Personal Training – und das mit großem Erfolg. Ich verfolge die Faszienforschung, die laufend neue Entwicklungen und Ergebnisse präsentiert, und ich bin nach wie vor fasziniert und begeistert von Faszien und dem darin verborgenen Potenzial für das Training. In diesem Blog möchte ich euch deshalb ganz Grundlegendes zur Faszie näherbringen.

Was sind Faszien?

Faszien sind unser Bindegewebe, sie durchziehen unseren gesamten Körper wie ein Netz, umschließen jeden Muskel, jede Muskelfaser, auch die Organe, Knorpel und Knochen. Das Bild einer geschälten Orange kann dies recht gut verdeutlichen: Wie die weiße, dünne „Haut“, die in der Orange unterhalb der Außenschale liegt, alle Fruchtstücke umschließt und sie zudem durchdringt, so sind die Faszien in unserem Körper ein alles durchwebendes Netz, das direkt unterhalb der Haut liegt. Sie sorgen für Zusammenhalt und zugleich für Geschmeidigkeit. Bei jeder Bewegung sind folglich auch die Faszien beteiligt, sie dehnen und strecken sich, um Bewegung erst zu ermöglichen.

Am Beispiel der hinteren Rückenlinie kann man hier sehen, dass das fasziale Gewebe (hier blau eingefärbt) eine Muskelfaszienkette von der Fußsohle bis zum Scheitel bildet.

Fazien können verkleben – und trainiert werden

Faszien wurde bis vor Kurzem noch als nebensächliches Beiwerk betrachtet, als reine „Verpackung“ der Muskeln – und beim Training waren ausschließlich die Muskeln das, was trainiert werden konnte und sollte. Vor einigen Jahren aber fanden Wissenschaftler aus der Faszienforschung heraus, dass Faszien viel mehr können als vermutet. Sie helfen bei der Aufrichtung, halten die Organe in Form, übertragen mechanische Zugkräfte und sorgen dafür, dass Muskeln und Organe in einer gelartigen Substanz frei zueinander gleiten können.

In den Untersuchungen zeigte sich auch, dass Faszien verkleben können, wodurch sie dicker, fester und weniger flexibel werden. Man stelle sich etwa vor, wie unsere Haare verfilzen können und im schlimmsten Fall kein Kamm und keine Bürste mehr durchkommt. Und damit sind wir bei der nächsten, noch viel wichtigeren Erkenntnis: Diese Verfilzungen, die Verklebungen der Faszien können durch gezielte Übungen rückgängig gemacht werden, und Faszien an sich können sogar „trainiert“ werden, damit sie elastisch bleiben.

Wie entstehen Schmerzen durch verklebte Faszien?

Verbringt man zu viel Zeit in einer einseitigen Position – etwa im Sitzen –, dann werden bestimmte Bereiche der Faszienketten nicht ausreichend bewegt und sie bilden somit weniger „Schmiermittel“. Die wellenartige Strukur geht verloren und das Fasziennetz verfilzt. Die Faszien „verkümmern“, werden dicker, verlieren Flüssigkeit – sie verkleben. Die dadurch entstehenden Verfilzungen blockieren die Beweglichkeit des Fasziennetzes, es entstehen Schmerzen. Denn Faszien besitzen etwa sechsmal mehr Nervenendigungen und Schmerzrezeptoren als das Muskelgewebe. Das macht das Bindegewebe zum größten Sinnesorgan des Menschen und entsprechend häufig ist es beteiligt, wenn wir Schmerzen verspüren. Da Faszien wie ein Spinnennetz zusammenhängen, können diese Schmerzen im gesamten Bewegungsapparat auftreten. Aber nicht nur eine einseitige oder falsche Körperhaltung  sowie Bewegungsmangel, sondern auch Stress, Schlafmangel, falsche Ernährung oder chronische Anspannung haben Einfluss auf unser Bindegewebssystem. Als sensibles Sinnesorgan reagieren Faszien eben auch auf psychische Belastungen und verkleben.

Wie kann ich Faszien geschmeidig halten?

Folglich sind es genau diese Punkte, an denen wir ansetzen können, um positiv auf die Faszien einzuwirken: Wir können für ausreichend Schlaf und Erholungsphasen sorgen, auf eine ausgewogene, gesunde Ernährung achten – und wir können Faszientraining in unseren Alltag einbauen. Denn durch dieses gezielte Training kann die Herstellung des „Schmiermittels“ in den Faszien angeregt werden und sie bleiben oder werden elastisch und beweglich. Faszientraining  ist als Ergänzung zum herkömmlichen Training gedacht, etwa in der Aufwärmphase. Mit gezielten Übungen können wir dabei möglichst große Bahnen der Faszien ansprechen.

Meine Erfahrungen mit Klienten zeigen ebenso wie die Untersuchungen der Forschung: Wer konsequent Faszientraining praktiziert, kann seinen Körper bis ins hohe Alter straff, elastisch und vor allem beweglich halten. Außerdem ist Fazientraining eine wirkungsvolle Methode, um bestehende Schmerzen im Bewegungsapparat zu behandeln – ich habe hier sehr schöne Erfolge bei Schmerzen in Rücken, Knien, Schultern, Ellbogen oder Hüfte erzielen können – mehr dazu im zweiten Teil: Faszien II – Faszientraining gegen Rückenschmerzen.

Bildquellen:
Myers, Thomas W.: Anatomy Trains, Urban & Fischer 2004
Müller, Divo G. & Schleip, Robert: Faszientraining, in: „Terra Rosa“ e-magazine 7/2011

Das Video zu Teil I und II: Was ist dran am Faszien-Hype? Hier ansehen!

Bist du bereit für dein individuelles Training?

Drücke den Button oder melde dich telefonisch unter 0699/19453081 und wir vereinbaren einen unverbindlichen Gesprächstermin.